Ab in den Wald!

Wer vergessen hat, wie schön und abwechslungsreich es im Wald ist, findet weiter unten auf dieser Seite Inspiration.

Ziel dieses Projektes ist, Wald für mehr Menschen attraktiv zu machen: Für alle, die gelegentlich gerne im Wald wären, es aber nicht können oder sich nicht trauen sowie auch für die, die es dort nicht interessant genug finden. Mehr…

Menschen sollen motiviert werden, in den Wald zu gehen, um sich mehr zu bewegen und von den gesundheitlichen und sozialen Vorteilen eines Waldaufenthalts zu profitieren. Wer in den Wald geht, tut etwas für Körper und Geist und hat ein geringeres Risiko, zu vereinsamen. Ein Waldaufenthalt tut gut, auch noch lange danach. Spaziergänge im Wald gelten als besonders gesund und wohltuend. Sie bieten eine gute Gelegenheit für gute Gespräche. Jeder, der in den Wald möchte, sollte es auch tun können!

Man muss übrigens nicht extra waldbaden gehen, ganz normal geht auch. ☺️

Im Mikroblog von @Harleswald bei Twitter geht es um die Schönheit und Vielfalt des Waldes im allgemeinen, Tiere, Bäume, Erholung, Gesundheit, Forstpraxis, Naturschutz, Wissenschaft, Waldpädagogik und sinnliches Erleben. Das Ziel ist, Wald attraktiver zu machen. Je mehr Menschen den Wald lieben, um so mehr werden sich für ihn einsetzen. 🌳☯️🌳

Der Harleshäuser Habichtswald: Zwei Drittel der Fläche des Kasseler Stadtteils Harleshausen sind von Wald bedeckt. Diese circa 9 Quadratkilometer Stadtwald sind auch Teil des Naturparks Habichtswald und seit langem ein wichtiges Naherholungsgebiet für die Einwohner der Stadt Kassel.
Was es hier alles gibt

Den Wald mit allen Sinnen erleben

„In diesem dunklen Grün“

„Hier, im kühlen Schatten, ist alles anders als drüben in den heißen, schmutzigen Straßenschluchten.

Sehnsucht nach dem frischen Geruch von feucht-kühler Erde. Nach Stille und nach Vogelgezwitscher. Dem Duft von frisch geschnittenem Holz. Dem Gefühl, mit nackten Füßen über weiches Moos zu laufen. Vom Weg abweichen und auf von geheimen Waldwesen angelegten Pfaden gehen.

In einen Waldbach hüpfen. Winzige Heidelbeeren essen. Kniehohe Farne über meine Beine streifen spüren. Mich erschrecken, wenn Tiere durchs Unterholz rascheln. Schweigen. Leise vor mich hinsummen. Hinter bemoosten Felsen Zwerge suchen. Einen Feuersalamander bestaunen.

Mich übr die kribbelnde Aufregung angesichts der potenziellen Gefährlichkeit eines Fliegenpilzes freuen. Den Kopf nach hinten beugen und zwischen Blättern den Himmel suchen. Die Luft anhalten, damit kein Hauch den Falter, der sich auf meinem Knie niedergelassen hat, stört.

Tannenzapfen in den Rucksack stecken. An meinen harzigen Fingern riechen. Einen Ameisenhaufen anstarren. Auf einem Baumstamm sitzen und nichts tun als seine Rinde streicheln. Von Weitem eine Lichtung durch das Dickicht blitzen sehen und mich auf das freuen, was danach kommt.“

Quelle: Die neue Sehnsucht nach dem Wald (2019, ein wunderschöner Text)

„Die Welt ist dieser Tage unüberschaubar. Der Wald ist das Gegenmodell zum lauten Konsumgeschrei da draußen. Wald tut gut. Wälder sind Quelle der Inspiration und Orte, an denen wir uns selbst und unsere Natur neu entdecken. Der Wald ist Beständigkeit und Kindheitserinnerung.“

Die Sinnlichkeit des Waldes

Ich höre den Gesang und die Rufe der Vögel, schwirrende Insekten, gemütlich summend oder vorbeirasend, den Wind in den Bäumen, das Rascheln von trockenem Laub, durch das sich Ameisenstraßen schlängeln oder in dem Mäuse und Vögel nach Nahrung suchen.

Irgendwo im Unterholz knacken Äste. Der weit hallende Ruf eines Rabenvogels. Das laute Klopfen der Spechte. Flatterndes Schlagen von Vogelschwingen. Gurrende Waldtauben. Umgebungsklänge verändern sich, wenn der Bewuchs wechselt oder das Gelände sich öffnet.

plätscherndes Wasser im Bach, der Klang von Regentropfen im Blätterdach, die Temperaturänderung auf der Haut beim Wechsel von Sonne und Schatten. Die kühle Luft in den Niederungen zwischen Hügeln. Plötzliche Temperaturschwankungen, wenn das Mikroklima sich ändert.

Gleichmäßig starker Wind, rauschende Wipfel, leichte Brisen, laue Lüftchen, die Baumkronen peitschende Sturmböen oder auch mal völlige Windstille.

Aromen steigen in die Nase. Sprießendes Grün, duftende Blüten, riechbare Pilze. Klare kalte oder samtig weiche Waldluft. Frisch geschlagenes Holz, das Harz der am Wegesrand aufgeschichteten Baumstämme. Gerüche von Tannennadeln, feuchtem Laub, Brennnesseln, vermoderndem Holz. Selten auch mal irgendwie intensive, scharfe Wildtiergerüche oder etwas Verwesendes. Gerüche ändern sich je nach Witterung, Luftfeuchtigkeit, nach einem Regen oder im Nebel.

Das Knirschen von Steinchen unter meinen Schuhsohlen. Im Winter auch das Knirschen beim Gehen im Schnee. Weit entfernte Geräusche der Zivilisation. Stimmen anderer Spaziergänger, bellende Hunde. Die Atmosphäre ist friedlich. Gelegentlich hört man Hunde rennen oder das Klappern von Pferdehufen.

Die Geräusche, wenn mein Hund durch trockenes Laub schnüffelt oder durch Pfützen und matschige Gräben watet. In Barfußschuhen bewege ich mich auf den schmaleren Pfaden fast lautlos und spüre viele der kleinen Unebenheiten wie Wurzeln, Ästchen, Bucheckern, Eicheln und bröckelnde Erde. Besonders toll ist es, die Zehen bei leicht matschigen Stellen durch die sehr flexible Schuhsohle in den weichen Untergrund zu drücken. An manchen Stellen ist der Waldboden federnd. Nur der Blindenstock und das Glöckchen meines umherstreunenden Hundes verursachen dann ab und zu ein Geräusch.

Beim Verweilen auf Bänken oder auf dem Boden am Bachufer sitzend, machen sich meine Hände oft selbstständig, ohne dass ich mir dessen immer bewusst bin. Sie erforschen die Umgebung, finden Stöckchen, Rindenstückchen, Baumfrüchte wie Tannenzapfen, Eicheln oder Bucheckern, ertasten und zerbröseln sie. Meine Finger wühlen in Tannennadeln und bohren im lockeren Boden, finden Steine und feine Wurzelgeflechte, erkunden Strukturen, pulen an morschen Stellen der Holzbank, kratzen etwas Moos ab, zupfen an Grashalmen, zerreiben Blätter. Vorbeikommende Hunde werden gekrault, Pferde auch.

Bei meinen Spaziergängen komme ich am Waldrand zum Schluß auch immer an einem kleinen Pferdestall mit Wiese vorbei. Dort höre ich weidende Pferde Gras rupfen und zerkauen. Gelegentliches Schnauben, auftretene Hufe, das Sirren des Schweifs, mit dem Fliegen vertrieben werden. Es riecht wunderbar nach frisch gemähtem Rasen. Andere Gerüche stammen von Heu und Pferdeäpfeln, manchmal auch von verschwitztem Fell, gemischt mit dem würzigen Duft von Mitteln, die Bremsen und Fliegen abhalten sollen. Wenn ich nah genug dran bin, kann ich auch das Leder von Sätteln riechen. In der Nähe des Misthaufens liegt gelegentlich ein etwas scharfer Amoniakgeruch in der Luft. Seit einiger Zeit gibt es dort jetzt auch eine Hühnerschar, die die Atmosphäre mit ihren ganz eigenen Tönen bereichert. Und morgens natürlich das Kikiriki des Hahns. :-)

Besonders wundervoll ist es, an einem sommerlichen Sonntagmorgen bereits kurz nach Sonnenaufgang im menschenleeren Wald unterwegs zu sein. Nichts stört dann die friedliche Atmosphäre. Die Zivilisation schläft noch, aber die Natur ist schon wach. Wald verändert sich ständig und doch bleibt er stets gleich. Im Wald zu sein, fühlt sich immer etwas anders an, je nach Jahreszeit, Wetterlage, menschlichen Begegnungen und der eigenen Stimmung.

Ich liebe das Gefühl von Weite und Geborgenheit in einem großen Wald. Die Bäume bieten Schutz, die Wege Freiheit. Ich fühle mich unabhängig, begegne anderen Menschen auf gleicher Augenhöhe und vergesse oft, dass ich blind bin.

Quelle: Blind im Wald (dubistblind.de)