Blauer See

Der Blaue See am Hang des Hühnerbergs im Hohen Habichtswald ist durch Basaltabbau entstanden. Gespeist wird er vom einem kleinen Bächlein und Rinnsalen.

Sein Name wird auf den blauen Basalt zurückgeführt, der dort gebrochen wurde. Von dort stammen auch die Steine, die für den ersten Straßenbau in Harleshausen und den Nachbargemeinden benutzt wurden. Die Aufschüttungen und Hügel ringsum zeigen die Spuren des Basalt-Tagebaus der dort von dem 1870er Jahren bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts hinein betrieben wurde.

Der See entstand 1923 nach einem Wassereinbruch. Er wurde zu einem beliebten Ausflugsziel und lockte in den späten 20er-Jahren des 20. Jahrhunderts im Sommer so viele Badegäste an, dass der Kyffhäuserbund, der das Gelände damals gepachtet hatte, eine Baracke erbauen ließ, in der es Erfrischungsgetränke gab und Familien Kaffee kochen konnten.

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg zogen die Kasseler im Sommer gern zum Blauen See hinaus. Er war als „Luft- und Schwimmbad“ bekannt und wurde von 1950 bis 1959 sogar als Badeanstalt Im Kasseler Adreßbuch verzeichnet. Ein Bademeister sorgte damals für Aufsicht und betrieb eine kleine Bewirtschaftung. Es gab auch einen Badesteg. Auf dessen Fundamentrest kann man heutzutage gut am Ufer sitzen, wenn der Wasserstand nicht zu hoch ist. Sonst ist Nichts geblieben. Heute ist der Zugang zum See überwiegend mit Gestrüpp verwachsen und die kleinen Lichtungen rundum sind verholzt. Der Wald erobert sich den Ort zurück.

Die Flurbezeichnung im diesem Bereich hieß einst „Vesthe Baumgarte“. Vielleicht war „Baumgarte“ als „Vesthe“ (Festung) ausgebaut worden. Dies Gebiet dürfte 1402 durch die Hutenutzung wesentlich lichter bewaldet gewesen sein als heute.

Quellen: D’r Osse und Dirk Schwarze

Die Künstlernekropole

1992 wurden die ersten zwei Grabmonumente der Künstler-Nekropole auf dem Gelände rund um den See installiert. Eigentlich sollten bis 2012 jedes Jahr zwei weitere Skulpturen hinzukommen, aber zu wenige Künstler von „documenta-Rang“ waren bis jetzt dazu bereit, sich dort nach ihrem Tod tatsächlich in einer Urne bestatten zu lassen.

Heutzutage ist das von einer Stiftung getragene Projekt fast eingeschlafen. Bislang gibt es nur 9 Installationen. 4 Künstler wurden tatsächlich in einer Urne beigesetzt, eine davon in der Form eines goldenen Hasen, ein weiterer machte einen Rückzieher. Das zuletzt installierte Werk CIRCUITUS stammt von noch lebendigen Gunter Demmig, der seit 1993 in ganz Europa über 70.000 Stolpersteine zur Erinnerung an die Opfer des NS-Regimes verlegt hat.

Anmerkung: Zwei ausführliche Texte über die Künstlernekropole und die einzelnen Werke sind in Arbeit und werden bald veröffentlicht. Bis dahin empfehle ich diesen Artikel des Journalisten Dirk Schwarze, die Erklärungen des Audio-Guides der cdw Stiftung (SMA) und diese Video-Impressionen.

Aus Wilhelm Führers Aufzeichnungen von 1941

Der Pflastermeister Strohmeyer aus Waldau kaufte in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts über der alten Wolfhager Straße einige Waldwiesen von zusammen rund 4 Hektar Größe von den Harleshäuser Besitzern und betrieb darauf einen Basaltsteinbruch. Während in dem nicht weit davon entfernten Steinbruch Erlenloch und im Bühl bei Weimar der Basalt in fünfkantigen Säulen vorkam, fand man in dem Strohmeyerschen Bruch besonders wertvolles Material in Platten, das sich nicht nur zur Herstellung von Pflastersteinen und Kleinschlag, sondern auch für Randsteine eignete. Strohmeyer betrieb den Bruch mehrere Jahrzehnte lang mit gutem Erfolg.

Da er aber nicht von unten her gegen den Berg vorgedrungen war, sondern oben eine tiefe Grube ausgehoben hatte, wurden die Arbeiten durch den Wasserzufluss aus dem umliegenden Gelände sehr erschwert. Außerdem war die Materialabfuhr schwierig geworden, weil die alte Wolfhager Straße nicht mehr als Landstraße in Stand gehalten wurde. Strohmeyer stellte deshalb den Betrieb ein und verkaufte den Grundbesitz an den Juden Emanuel Sauer in Kassel und dieser bot mir, als ich Bürgermeister war, das Grundstück zum Kauf an.

Da ich annahm, daß sich in dem rund 40000 Quadratmeter großem Gebiet Quellen finden würden, die für unsere Wasserleitung nutzbar gemacht werden könnten, kaufte ich das Grundstück im Jahre 1910 und zwar für mich persönlich. Ich ließ dann mit einer Motorpumpe das Wasser aus der tiefen Steinbruchsgrube, die jetzt „Blauer See“ genannt wird, herauspumpen, fand aber keine Quellen.

Als dann der Ausbau der Straßen in der Gartenstadt begann, pachtete mir der Unternehmer John, den von der Baustelle nicht weit entfernt liegenden früheren Steinbruch ab und setzte ihn wieder in Betrieb. Später kaufte John das Steinbruchsgelände von mir, bis auf einen 6000 Quadratmeter großen Teil an der alten Wolfhager Straße, den ich lange Zeit als Wiese benutzt und vor einigen Jahren an den Biochemischen Verein in Kassel verpachtet habe. Nach dem frühen Tode Johns wurde der Steinbruchsbetrieb wieder eingestellt, das Grundstück ging in andere Hände über und wurde an den Kyffhäuserverband verpachtet.

Basaltabbau am Beispiel nahegelegener Steinbrüche

Auszug von einer Infotafel am Bühl (Text von Archäologe Dr. Thilo Warneke):

An der Stelle des heutigen Natursees Bühl erhob sich bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ein etwa 60 m hoher Basaltkegel mit gleichem Namen. Dieser leitet sich aus dem Althochdeutschen „buhil“ für „Hügel, Anhöhe“ ab.

Nach ersten Abbauversuchen in 1843 begann 1896 die industrielle Basaltgewinnung. Dazu verpachtete die Gemeindeverwaltung das Gelände an eine Firma, die außerdem die Basaltsteinbrüche Erlenloch und Brandkopf im Habichtswald betrieb.

Das höherwertige Gestein, das in schräg verlaufenden Säulen anstand, wurde von Arbeitern vor Ort verarbeitet. Auf dem Gelände des heutigen Sportplatzes saßen bis zu 60 Steinrichter in dreiseitigen Holzhütten, um mit dem Hammer den Basalt zu Pflastersteinen zu schlagen. Das minderwertige Gestein wurde in Brechern zu Basaltschotter und Grus zerkleinert. Bis zum Ende des Abbaus 1916 förderten und verarbeiteten zeitweilig 130 bis 150 Arbeiter, darunter viele Österreicher und Italiener, das Gestein.

Der Brecher, die Seilbahn und die Förderbahn, die nach dem Abbau des Kegels den nun tiefer liegenden Basalt nach oben holte, wurden mit Strom angetrieben. Diesen erzeugten drei Dampfmaschinen vor Ort. Bis zum Bau der Eisenbahnlinie 1897 zwischen Wolfhagen und Kassel transportierten Fuhrwerke Pflastersteine und Schotter nach Kassel. Später brachte eine sogenannte Bremsbahn das Material zum Bahnhof nach Weimar.

Obwohl ein Gutachten von der Wiederaufnahme des Abbaus abriet, verpachtete die Gemeinde den Steinbruch 1924 an ein regionales Unternehmen. Nach einer Sprengung an der Grubensohle kam es 1925 zum Einbruch von Ton-, Sand- und Wassermassen. Der Betrieb musste daraufhin eingestellt und die Anlagen abgebaut werden. Der etwa 80 m tiefe Steinbruch füllte sich rasch mit Untergrund- und Niederschlagswasser. Ab den 1950er Jahren gestaltete die Gemeinde den Außenbereich zur heutigen Freizeitanlage um. Vom einstigen Basaltabbau ist nur noch ein Mauerrest erhalten.

Infotafel am Silbersee (Eco-Pfade.De):

Der Basaltabbau in dieser Gegend begann 1880, als der Pflastermeister Franz Bauch einen Bruch am Bühl bei Weimar eröffnete. Später folgten die Brüche „Brandkopf“ und „Igelsburg“ (heute „Silbersee“).

Die Arbeiter brachen mit Hämmern und Eisenstangen mehr oder weniger große Basaltbrocken aus der Wand. War das Gestein zu hart, wurde mit Dynamit ein Teil der Wand herausgesprengt und anschließend in Handarbeit zerkleinert. Die gebrochenen Steine wurden anschließend auf Loren verladen und zur Weiterverarbeitung transportiert.

Steine minderer Qualität zerkleinerte man in Brechern zu Schotter. Den hochwertigen Basalt schlugen Steinrichter zu Pflastersteinen. Schotter und Pflastersteine fanden beim Eisenbahn- und Straßenbau Verwendung.

Später übernahm Franz Menke den Betrieb, der neben anderen Brüchen ab 1925 auch am „Höllchen“ bei Dörnberg Basalt abbaute. Sein Betrieb beschäftigte rund 250 Arbeiter aus den umliegenden Dörfern. Aufgrund schlechter Steinqualität und sinkender Nachfrage schloss Menke 1936 den Bruch „Igelsburg“, dem 1943 der Bruch „Höllchen“ folgte.

Beide Abbaulöcher füllten sich rasch mit Grund- und Quellwasser und entwickelten sich zu den beliebten Naturbadeseen Silbersee und Höllchen.

** zusammengestellt von Per Busch, veröffentlicht im Juni 2019 **