Elfbuchen

Bergkuppe, Aussichtsturm und Waldgasthof

Die als Elfbuchen bezeichnete Bergkuppe liegt nördlich vom Herkules, etwas außerhalb des Bergparks Wilhelmshöhe. Sie ist ein nördlicher Ausläufer des Ostkamms des Mittelgebirgszugs „Hoher Habichtswald“ und ist etwa 535 m hoch, die Spornhöhe wird manchmal aber auch mit 536 m angegeben. Einen richtigen Gipfel gibt es nicht. Hüttenberg (555 m) und Bachberg (565 m) befinden sich südlich. Im Bereich Elfbuchen liegen Teile des Fauna-Flora-Habitat-Gebiets (FFH) Habichtswald und Seilerberg.

Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts war die Kuppe kaum bewaldet. Es gab nur wenige Bäume. Zu diesen gehörte eine Gruppe von 11 Hutebuchen. Das Gelände wurde als Hutefläche für Schweine und anderes Vieh genutzt. Nach der Abschaffung des Huterechts wurde dort ab 18.. durchgängig aufgeforstet.

Damals hatte man von dort noch einen freien, weiten Blick ins Land. Um diese Aussichtsmöglichkeit auch nach dem Beginn der Aufforstung zu erhalten, ließ der Verschönerungsverein zu Kassel einen Turm errichten, der 1879 eingeweiht wurde. Architekt und Bauherr war (wahrscheinlich?) Friedrich Potente.

Der mit Mauerwerksteinen aus Habichtswalder Basalttuff errichtete Aussichtsturm hat 90 Stufen und steht direkt auf der Grenze der Kasseler Stadtteile Bad Wilhelmshöhe und Harleshausen. Die Turmhöhe wird oft mit 15 m angegeben; legt man die Differenz aus Turmstandort- (535 m) und Aussichtsplattformhöhe (551,3 m) zu Grunde, so ergeben sich 16,3 m Turmhöhe. Auf dem Turm befindet sich eine Antennenanlage für Relaisfunk. Von Funkamateuren wird das Relais laut einer Geocache-Beschreibung liebevoll „Elfi“ genannt.

Heutzutage überragen zahlreiche andere Bäume den inzwischen wegen Bauffälligkeit geschlossenen Turm. Ein Ausblick wäre also so oder so nicht mehr möglich. Von den 11 Buchen, die das Bauwerk früher einmal einrahmten, steht nur noch eine. Der Turm wird vom Land Hessen verwaltet. Eine Freilegung der Kuppe mittels Baumfällungen wurde von der Forstverwaltung abgelehnt. Eine Erhöhung des Turmes lassen Baumaterial und Untergrund anscheinend nicht zu. Zumindestens war dies das Ergebnis bei der letzten Überprüfung.

Vom Turm aus führt eine ehemalige Skiabfahrt und heute oft von Rodlern genutzte Schneise steil bergab zur Waldwegkreuzung „Wurmbergsattel“ auf 474 m Höhe. Die Fortsetzung der Skipiste nördlich des Wurmberges bergab Richtung Rasenallee ist inzwischen überwiegend zugewachsen und nur noch teilweise erkennbar. Hier fanden von ? bis ? die Elfbuchen-Abfahrtsrennen statt. Direkt südlich vom Elfbuchenturm und damit noch innerhalb des zu Bad Wilhelmshöhe gehörenden Gebiets befindet sich das Waldhotel Elfbuchen samt Café, Restaurant und Biergarten.
Quellen: Artikel bei Wikipedia und Regiowiki
Historische Bilder in der offenen Facebook-Gruppe „Alt-Kassel“.

100 Jahre „Elfbuchen“ — ein Jubiläum besonderer Art

Von Karl-August Götte, 1979 im Ossenheft Nr. 63 veröffentlicht. Die zeitlichen Angaben scheinen nicht immer zu stimmen; die sich ergebenden Jahreszahlen wurden zum einfacheren Verständnisin eckigen Klammern hinzugefügt:

Der Aussichtsturm „Elfbuchen“ im Habichtswald mit dem Ausflugslokal wird dieser Tage (am 18. September 1979) 100 Jahre alt. Ebenso lange bewirtet die Familie Fischer das uns allen bekannte Haus — jetzt schon in der vierten Generation. Wieviele Wanderer, Naturfreunde, Sportler und auch Schulklassen waren in dieser Zeit schon als Gast in der hoch über dem Talkessel gelegenen Waldgaststätte. Vor 100 Jahren [1879], zur Gründerzeit, stand dort oben neben dem Aussichtsturm nichts als ein Schutzdach, und so fand die Bewirtung weitgehend im Freien an selbstgezimmerten hölzernen Tischen und Bänken statt. Vor etwa 80 Jahren [ca. 1899]entstand dann die erste kleine feste Schutzhütte für die Wirtsfamilie und die Gäste.

Mit dem Bau der Herkulesbahn und dem weiteren Ausbau der Herkules- und Ahne-tal-Zufahrtsstraßen kamen immer mehr Wanderlustige auch zum Aussichtsturm. So entschloß sich dann die Familie Fischer vor etwa 70 Jahren [1911]zu einer Erweiterung der Annehmlichkeiten für die Gäste. Aus dieser Zeit stammen noch die teilweise um den Aussichtsturm sichtbaren Anlagen, wie z. B. die stufenförmige Erhöhung für die Musiker. Nach Aussagen alter Harleshäuser fanden an diesem Ort bei schönem Wetter im Sommer Musik- und Tanzveranstaltungen statt.

Vor mehr als 50 Jahren [also vor 1929] wurde das Lokal „Elfbuchen“ bereits täglich geöffnet und, wenn gewünscht, konnte schon seinerzeit eine warme Mahlzeit gereicht werden. Da keine Übernachtungsmöglichkeit bestand, mußten nicht nur die Gäste sondern auch die Wirtsleute morgens zum Habichtswald aufsteigen und abends wieder den Rückweg ins Tal antreten. Es war seinerzeit keine leichte Aufgabe, auch alle den Gästen dargebotenen Beköstigungen wie Lebensmittel und Getränke herbeizuschaffen, und zwar bei normalen Witterungsverhältnissen mit dem Pferdewagen und bei Schnee mit dem Pferdeschlitten. Standen einmal die Pferde, da sie auf dem Bauernhof eingesetzt waren, nicht zur Verfügung, wurden die notwendigsten Bedarfsartikel mit dem Handwagen oder auf dem Rücken transportiert. Und dies alles vom Tal aus über die bescheiden ausgebauten Straßen und Waldwege. Selbst das Wasser mußte von der Quelle, die etwa 500 m bergab vom Aussichtsturm entfernt war, zur Küche der Schutzhütte ebenfalls mit dem Pferdegespann oder auf dem Rücken befördert werden.

Eine sehr ausgeprägte Verbundenheit entwickelte sich zwischen der Familie Fischer und der Jugend, denn die Skiabfahrtstrecke vom Aussichtsturm bis zur Rasenallee erfreute sich ganz besonderer Beliebtheit und hielt so manchen Sportler in Atem. So erinnere ich mich noch sehr gut an den folgenschweren Sportunfall im schneereichen Winter 1946/47, als einer der letzten Trainingsläufer — es war Berthold Schwalm aus Harleshausen — startete und nach einem Sturz auf der Strecke bewußtlos liegenblieb. Nachdem die Mitläufer den Verunglückten gefunden hatten, übernahm Sanitäter Reinhold Bauer zusammen mit dem Gastwirt Wilhelm Fischer den Transport auf einer Behelfstrage zum Pferdeschlitten, mit dem dann die Fahrt durch den Wald und weiter durch Harleshausen zum Bunker des Elisabethenkrankenhauses in Rothenditmold ging. Die winterlichen Verhältnisse erlaubten keinen anderen Transport, da eine schnelle Krankenhauseinlieferung erforderlich war.

In diesem Zusammenhang bedarf es einer besonders lobenswerten Erwähnung, daß die Wirtsleute Fischer stets und ständig um das Wohl der Sportler, Wanderer und Naturfreunde bemüht waren. So wurde immer, wenn es erforderlich war, Hilfe geleistet; es wurden umgestürzte Bäume und Sträucher beseitigt, gegebenenfalls Schnee gepflügt und viele andere freiwillige Dienste geleistet, um Unangenehmes aus dem Weg zu räumen. Erwähnenswert ist außerdem, daß bis vor etwa 30 Jahren [ca. 1949] noch nach dem alten Brauch „Hier können Familien Kaffee kochen“ verfahren wurde. So ermöglichte Familie Fischer auch größeren Gruppen eine Einkehr zu den „Elfbuchen“. Es ist daher kein Wunder, daß die Gaststätte im Laufe der Zeit ein vielgeliebter Treffpunkt für jung und alt wurde. Die entfernte und doch so nahe Lage in bezug auf Kassel, verbunden mit der Behaglichkeit, die das Lokal ausstrahlte und noch ausstrahlt, veranlaßte immer mehr Naturfreunde, den Habichtswald aufzusuchen.

Mit der zunehmenden Besucherzahl in der Gaststätte entschloß sich die Familie Fischer vor etwa 25 Jahren [ca. 1954], den Bauernhof in Wahlershausen aufzugeben und die bisher nebenberuflich betriebene Gastronomie hauptberuflich auszuüben und weiter auszubauen. Durch die Neugestaltung der Zufahrtsstraßen vom Herkules und vorn Ahnetal zur Gaststätte wurde es ermöglicht, größere Mengen Baumaterial für die neu zu errichtende Waldpension sowie für die Ausflugsgaststätte leichter anzuliefern. Der vor etwa 20 Jahren [ca. 1959] neu geschlagene Brunnen spendete gottlob so viel Wasser — auch während trockener Perioden —, daß der gesamte nicht unbeträchtliche Bedarf gedeckt werden konnte. Wenn auch die altvertraute Petroleumlampe eines Tages weichen mußte, so kam die Elektrizität doch sehr spät — zunächst über ein Benzinaggregat und vor etwa 10 Jahren [ca. 1969] über eine Fernleitung.

Möge der Familie Fischer, der höchstes Lob „bis zurück ins vierte Glied“ gebührt, auch weiterhin so viel Erfolg beschieden sein wie in der Vergangenheit.

„Winnersport“

Auszug aus einem Text von Peter Rausch im Ossenheft Nr. 214:
Irjendwann hodd sich min Traum dann au moh erfüllt un ich krichte ’n paar Schier. Natürlich kinne neuen; nä, das waren so ahle Wehrmachtsdinger, nur us Holz un noch mit ’ner Lederriemenbindung. Stahlkanten kannte me noch nit un Stahlkabelbindungen kamen au erst später. Dohmidde de Dinger au rutschten un bie nassem Schnee nit pappeten, honn mäh Kerzentalch drunner geriewen. Mit solchen Dingern honn mäh dann schon halsbrecherische Fahrten d’n Daspel oder sogar de Elfbuchenabfahrt runner gemacht. Dohbie honn ich einmoh de Kurve nit gekricht, honn mich in d’n Schnee geschmissen, awwer ’s war schon ze späte. Mit einer Spitze bin ich vor ’n Baum geknallt un de Spitze war abgebrochen. Was nu? D’s Dingen musste Widder drahn. Nu war in unser Nachbarschaft ne Schrinnerei. Doh honn se mäh de Spitze drangelimmet, awwer biem nächsten nassen Schnee is se Widder abgefallen. Ze guterletzte hodd mäh min Onkel, der bie Henschels arbeitete, zwei schmale geborene Bleche druffgemacht un dann hodd ’s au gehalen. Ich bin mit den Dingern sogar üwwer selwer gebaute Schneeschanzen gehibbet. So fünf, sechs Meter sin mäh doh au derch de Luft geflochen.

Die Forsteinteilung

Auszug aus einem Text von August Bitter, 1975 veröffentlicht im Ossenheft Nr. 48:
Vierkantige Grenzsteine, die an jeder Seite mit einer Zahl versehen sind, teils leserlich, teils durch Verwitterung verwischt.
97 – 99 Bach (zwischen Elfbuchen und Alte Zeche Herkules);
105 Elfbuchen (hier stand in Unterabteilung 105 b einst die Christbuche);
106 – 107 An der Bretterseite (zwischen Elfbuchen und Alte Zeche Herkules, südöstlich des Brandkopfes und südwestlich des Hühnerberges).

125 Jahre Elfbuchenturm und Gaststätte im Habichtswald

Von Norbert Schönewolf, 2004 veröffentlicht im Ossenheft Nr. 164:

Im Westen Harleshausens dominiert der schöne Habichtswald und mitten im Walde erhebt sich ein Turm. Ein selten schöner Altweibersommer soll es gewesen sein, als im September 1879 der Aussichtsturm aus Tuffstein von Harleshausen aus gut sichtbar rechts vom Herkules knapp zwei Kilometer entfernt am Rand einer Anhöhe eröffnet worden ist. Der Casseler Verschönerungsverein hatte ihn errichten lassen, nachdem die königlichpreußische Forstbehörde es für untunlich erachtet hatte, durch Abholzen von Bäumen die bisher herrliche Aussicht in die Ferne frei zu halten. Ein Name für den Turm war schnell gefunden: inspiriert von den elf Bäumen, die um ihn herumstanden, wurde es der Elfbuchenturm. Die Bewirtung der Schutzhütte nebenan übernahmen von Anfang an Conrad Fischer und seine Frau Elisabeth. Der Elfbuchenturm sowie das Gasthaus sind das ganze Jahr über ein beliebtes Ausflugsziel.

Es war für uns Harleshäuser Jungen im Winter immer etwas Besonderes, wenn man nach mühevollem, steilen Anstieg in der Elfbuchenhütte bei Fischers Rast machen konnte. Viel Rummel gab es im Winter dort oben, wenn das Elfbuchenabfahrtsrennen stattfand, an dem ich 1951 teilnahm.

Inzwischen ist aus der schlichten Hütte ein sehr schönes, gepflegtes Hotel mit Restaurant geworden. Mittlerweile wird das Lokal bereits in der vierten Generation von der Familie Fischer betrieben. Alle Achtung kann man da nur sagen! Es ist eine besondere Leistung; die Anfänge im 19. Jahrhundert waren schwer, eine Gastronomie-Einrichtung über so viele Jahre in Gang zu halten. Mit beigetragen hat die freundliche Atmosphäre der Familie Fischer.

Der Seniorchef Hans-Ludwig Fischer erinnert sich: Bis 1949 wirtschaftete man im Habichtswald dort oben auf der Höhe ohne Strom und Wasserleitung. Bis 1957 transportierten die Fischers alles von ihrer Wirtschaft in der Langen Straße mit Pferd und Wagen nach Elfbuchen. Nach und nach baute die Familie an und um, bohrte Brunnen, teerte die Zufahrt vom Herkules aus. Seit 1965 gab es Stromanschluss. Mit Pferdekutsche oder Schlitten holt der Senior die Gäste auf Wunsch heute noch vom Parkplatz hinter dem Herkules ab – für Romantiker ein schönes Erlebnis.

Der Turm, das Wahrzeichen von Elfbuchen, zerfällt langsam. Deshalb würde ihn der 71jährige Chef am liebsten dem Land Hessen abkaufen und den Casseler Verschönerungsverein wiederbeleben. Gern würde ich ihn bei der Restaurierung tatkräftig unterstützen.

Der Turm
Zum Sehen geboren, zum Schauen bestellt, dem Turme verschworen, gefällt mir die Welt. Ich schau in die Ferne, ich sehe die Näh, die Sonne, Mond und Sterne, die Berge, die Täler die Wälder, das Reh.

(Norbert Schönewolf)

Erinnerung von Konrad Nordheim

Auszug aus seinem Text über den Harleshäuser Kirmes aus alter Tradition, 1978 veröffentlicht im Ossenheft Nr. 59:
Ich erinnere mich, daß in den Zwanziger Jahren in Harleshausen an einem Wochenende in fünf verschiedenen Sälen Kirmes gefeiert wurde. Die drei großen Säle: der Lindenhof (Verein für Leibesübungen), Gaststätte Dippel (Verein für Bewegungsspiele), Gaststätte Deichmann (Deutsche Turnerschaft), Gaststätte Gregori (Gesangverein oder Schützenverein), Gaststätte zu den Elfbuchen (Club Frohsinn).

Erinnerung von Eduard Brauns

Auszug aus seinem Text über den einstigen Gebirgsverein in Harleshausen, 1965 veröffentlicht im Ossenheft Nr. 7:
Das Wanderjahr begann am 17. Februar 1930 mit einem Wintervergnügen unter der Bezeichnung „Kreppelkränzchen“ in dem „Gasthaus zu den Elfbuchen“, wozu die Mitglieder mit ihren Angehörigen in ungewöhnlich stattlicher Zahl (über 100 Teilnehmer) erschienen waren. Es wurden Ansprachen und Reden gehalten, gemeinsame Lieder gesungen, für fröhliche Unterhaltung gesorgt und getanzt. Vorsitzender Führer lenkte am Schluß seiner Ansprache über auf den Herkules, das Symbol der Hessen und des Hessenlandes. Danach folgte das Kaffeetrinken und Kreppelessen. Einen vergnügteren Abend hatte man, so war das allgemeine Echo, im Gebirgsverein Harleshausen noch nicht erlebt.

Waldhotel Elfbuchen: Mit einfachem Ausschank fing es vor 135 Jahren an

Auszug aus einem HNA-Artikel vom 18.09.2014:

Heute vor genau 135 Jahren weihte der „Verschönerungsverein zu Cassel“ den Aussichtsturm Elfbuchen im Habichtswald auf 536 Metern Höhe ein. Das war die Geburtsstunde des heutigen Hotels, Restaurants und Ausflugslokals Elfbuchen, das von Angelika Fischer in vierter Generation geleitet wird. Und mit Tochter Lisa steht die fünfte bereits in den Startlöchern. Sie will den modernen gastronomischen Betrieb inmitten des Naturparks weiterführen.

Aber der Reihe nach: Als der Verschönerungsverein den 15 Meter hohen Aussichtsturm einweihen wollte, wurde ein Gastronom gesucht, der die Feier ausrichten sollte. Conrad und Anna Elisabeth Fischer, ihres Zeichens Betreiber der gleichnamigen „Restauration“ in der Langen Straße in Wahlershausen und seit Jahren bereits in der Gastronomie aktiv, erklärten sich dazu bereit und erkannten schnell das Potenzial des bis heute außerordentlich idyllischen Ausflugziels weitab von der lauten Großstadthektik.

Sie beschlossen, die Ausflügler zwei- bis dreimal wöchentlich in einem schnell zusammengezimmerten Schuppen zu bewirten. Immer wenn dies der Fall war, hissten sie eine Fahne auf dem Turm, der wegen des damals niedrigen Baumbestandes in Kassel zu sehen war. So wussten die Städter, dass es dort oben frisches Brot, Ahle Wurscht und ein Glas „Quatsch“, Himbeerwasser, gab. Das Wasser dafür musste mühsam aus einer einige Hundert Meter entfernten Quelle zunächst huckepack mit einem Joch, später mit dem Pferdefuhrwerk herbeigeschafft werden. Erst 1911 entstand das erste Gebäude, das diesen Namen wirklich verdiente. Beim Wassertransport blieb es aber noch einige Jahrzehnte beim Alten.

Das sollte sich erst nach dem Zweiten Weltkrieg ändern, als mit Hans-Ludwig und Ehefrau Lieselotte die dritte Generation das Zepter übernahm. Dazwischen hatte der Sohn des Firmengründers und Großvater der heutigen Chefin, Wilhelm Fischer, das Sagen. Hans-Ludwig und Lieselotte ließen eine Straße bauen und kauften ein Stromaggregat, das eine Pumpe für die Wasserversorgung antrieb. Mehrfach wurde um- und angebaut, zuletzt 1989.

Der Seniorchef ist mit seinen 81 Jahren noch immer aktiv, sorgt für den Einkauf und die Wildfleisch-Beschaffung sowohl für Elfbuchen als auch für das 1983 errichtete Kasseler Kurparkhotel, das die jüngere Tochter Silvia führt. Und fährt nach wie vor Pferdekutsche. Auf Wunsch werden Gäste vom Herkules-Parkplatz nach Elfbuchen gebracht. Heute präsentiert sich der Betrieb mit elf Zimmern, regionaler Küche mit Zutaten aus Nordhessen und vielen Wildspezialitäten und seinem Kuchenbuffet als moderne Gastronomie in ruhigster Lage mit langer Familientradition.

Die Seele von Elfbuchen

Auszug aus einem HNA-Artikel vom 16.08.2019:
Ein perfekter Gastgeber sein Leben lang. Er lebte für das Wohl seiner Gäste: Der Kasseler Gastronom und Hotelier Hans-Ludwig Fischer ist im Alter von 86 Jahren gestorben.

In seinem Leben gab es wohl kaum einen Tag, an dem er nicht in seiner Waldgaststätte war. Selbst im hohen Alter fuhr Hans-Ludwig Fischer noch immer zu seinem „Wirtshaus im Walde“. […] Denn von Ruhestand konnte man auch im Rentenalter eigentlich nicht sprechen. Als „Rastlosigkeit in Person“ wird er von seinen Kindern liebevoll beschrieben. Eine ähnlich große Leidenschaft wie zur Gastronomie hatte Hans-Ludwig Fischer wohl nur zu seinen Pferden. Wer an Fischer denkt, dem kommen unmittelbar trappelnde Hufe und prunkvolle Kutschen in den Sinn. Viele Kasseler werden sich noch daran erinnern, wie er mit seiner Kutsche durch den Habichtswald fuhr, um seine Gäste zur Waldgaststätte zu bringen.

Im Alter von 24 Jahren hatte Fischer nach dem Tod seines Vaters den Betrieb der Waldgaststätte Elfbuchen übernommen. Viel Zeit zum Trauern blieb ihm da nicht. Dass er Gastronom werden würde, daran hatte Fischer allerdings nie Zweifel. Seine Großeltern hatten die Waldgaststätte 1879 eröffnet. Fischer war im Gastronomiebetrieb der Familie aufgewachsen. Mit 15 Jahren begann er dann selbst eine Lehre zum Koch und Konditor, später legte er an der Hotelfachschule in Heidelberg die Prüfung zum Küchenmeister ab. Wenn Fischer kochte, dann regional. Wild aus dem Habichtswald zählte zu seinen liebsten Gerichten. Ebenso durfte die Ahle Wurst beim Frühstück nie fehlen. Mit dem Bau des Kurparkhotels [an der Wilhelmshöher Allee] erfüllte sich Fischer und seine Ehefrau Lieselotte, mit der er seit 1961 verheiratet war, einen Traum. Das Paar bekam zwei Töchter und hat drei Enkelkinder.

Rote Bäume im satten Grün: Land-Art-Projekt im Habichtswald

Auszug aus einem HNA-Artikel vom 21.06.2012:
Rot ist die Farbe der Liebe. Rot symbolisiert Wärme, aber auch Gefahr. Im Kunstprojekt, das Alfred Bradler zurzeit im Habichtswald realisiert, ist die rote Farbe ein ästhetisches Mittel, um die Aufmerksamkeit des Betrachters zu gewinnen.

„Bleeding Trees“ hat Bradler seine ebenso aufwendige wie anspruchsvolle Arbeit genannt. Seit mehreren Wochen markiert er die Bäume nahe dem Hotel Elfbuchen mit roten Filzbändern, bringt sie auf einer Höhe von drei Metern an. Stamm für Stamm. Inzwischen sind es Hunderte. „Durch diese Markierungen werden die Bäume erst sichtbar“, erklärt Bradler, dessen Frau Eka ihn bei seinem Vorhaben tatkräftig unterstützt. Denn die meisten Menschen würden durch Wälder spazieren, ohne die Natur wirklich wahrzunehmen.

Im Habichtswald wird sich das nun ändern. Denn übersehen kann man die Kunst Bradlers nicht. Durch die roten Filzbänder – insgesamt wurden 1,2 Kilometer des Materials verbraucht – wirkt der Buchenwald wie eine FlächenSkulptur, die die Eigenheiten des Bodens wiedergibt. Mit der Aktion, bei der selbstverständlich kein Baum beschädigt wurde, setzt Bradler seine künstlerische Arbeit der vergangenen Jahre konsequent fort. Im Oberengadin, in den Dolomiten, auf Zypern und Mallorca markierte er Felsen mit Bändern, in Österreich lenkte er mit der Farbe Rot den Blick auf die Schönheit des Waldes – aber auch auf die Eingriffe des Menschen in die Natur. Denn auch das ist Alfred Bradler wichtig: Er thematisiert die fortschreitende Zerstörung der natürlichen Ressourcen. Der rot markierte Wald wird so zum Mahnmal.

Dass der in Graz geborene Künstler sein neues Projekt ausgerechnet im Habichtswald umsetzt, ist übrigens der documenta zu verdanken. Vor fünf Jahren nämlich reisten die Bradlers nach Kassel, um sich die Weltkunstausstellung anzusehen – und übernachteten im Hotel Elfbuchen. „Damals haben wir uns in diesen Wald verguckt“, sagt Bradler. Langsam reifte die Idee zur Aktion „Bleeding Trees“, die nun mithilfe der Hotel-Betreiber, Hessen Forst und Naturschutzbehörden umgesetzt wird.

Bleeding Trees: 9. Juni – 19. September 2012 – verlängert bis 31. Oktober 2013
Mehr auf der Projektseite des Künstlers

Elfbuchen-Betreiber beklagen Gästerückgang durch Parkgebühren

HNA-Artikel vom 24.09.2015

Als der Bergpark vor zwei Jahren Weltkulturerbe wurde, freuten sich auch die Betreiber des Gasthauses Elfbuchen im Habichtswald. Mit der Freude ist es vorbei. Denn seit 2014 werden an Wasserspieltagen mittwochs und sonntags Parkgebühren auf dem Parkplatz am Herkules erhoben. Inzwischen sind sieben Euro fällig. Der Parkplatz wurde bis dahin auch von den Gästen des Gasthauses genutzt. Nun bleiben viele an diesen Tagen weg, weil sie die Gebühren scheuen.

„Wir haben Umsatzeinbußen von 60 Prozent mittwochs und sonntags“, sagt Angelika Fischer, die mit ihren Eltern Hans-Ludwig und Lieselotte Fischer den Betrieb führt. Für einen Spaziergang mit anschließendem Kaffee und Kuchen in Elfbuchen sei niemand bereit, zusätzlich sieben Euro zu zahlen. Deshalb würden gerade die einst vielen Sonntagsausflügler das Gasthaus meiden. Betroffen ist die Wasserspielsaison vom 1. Mai bis 3. Oktober, in der Gebühren anfallen.

Zwar gibt es auch einen geteerten Waldweg vom Herkules zum 1,4 Kilometer entfernten Elfbuchen, dieser darf aber nur von Lieferanten und Hotelgästen des Elf-Zimmer-Hauses genutzt werden. Wer nur zum Essen kommt, muss laufen. So sieht es die Straßenverkehrsordnung vor und so will es Hessen-Forst. Wer dennoch über den Waldweg fährt – was einige tun –, dem droht ein Bußgeld von 30 Euro. Dabei wäre es aus Sicht der Fischers eine Lösung, den Waldweg an Wasserspieltagen für Gäste freizugeben. „Wir wollen auch nicht, dass jeder durchfährt, dann ist es hier ja nicht mehr so schön“, sagt Angelika Fischer. Eine Alternative sei es, für die Elfbuchen-Gäste am Herkules eine kostenfreie Parkmöglichkeit anzubieten. Andernfalls werde der seit 1879 von ihrer Familie geführte Betrieb gefährdet.

Hessen-Forst sieht bei der weiteren Freigabe des Waldweges keinen Spielraum. Deshalb müssten auch die von Familie Fischer angebrachten Verkehrszeichen mit der Aufschrift „Zufahrt Elfbuchen frei“ abgenommen werden, sagt Dieter Schorbach von Hessen-Forst. Die Zufahrt sei seit jeher für den normalen Verkehr gesperrt. Dies sei nötig, damit sich Spaziergänger im Wald ungestört vom Verkehr erholen könnten.

Inzwischen streiten die Fischers und Hessen-Forst juristisch um eine Aufweichung der Regelung. Denn auch zum Gasthaus „Hohes Gras“ sei die Zufahrt gestattet, so Angelika Fischer. Dies begründet Hessen-Forst damit, dass beim Hohen Gras wegen des Skiliftes und des benachbarten Klettergartens ein „öffentliches Interesse“ bestehe. Die Lösungsmöglichkeit, am Herkules an Wasserspieltagen kostenfreie Parkplätze für Elfbuchen-Gäste bereitzustellen, scheitert an einer Einigung zwischen den Gasthausbetreibern und der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK), die den Parkplatz bewirtschaftet. Fischers blicken erleichtert auf das bevorstehende Ende der Wasserspielsaison am 3. Oktober. Ab nächsten Mai drohe das gleiche Problem.

Probleme mit Brunnen

Auszug aus einem HNA-Artikel vom 03.08.2021:

Das beliebte und traditionsreiche Waldhotel und Ausflugscafé Elfbuchen im Hohen Habichtswald wird normalerweise durch einen hauseigenen Quellbrunnen versorgt. Aufgrund eines Schadens an der Brunnenanlage musste der Betrieb vergangenen Freitag ruhen, weil eine Instandsetzung zuvor erfolglos verlaufen war. Inzwischen konnte die Wasserversorgung von Gastronomie und Hotel aber mithilfe der Städtischen Werke und eines Wasserwagens wieder sichergestellt werden. Der Betrieb läuft also weiter.

Das Lokal und Hotel ist nach Auskunft der Betreiber wieder fast uneingeschränkt geöffnet. Nur die Öffnungszeiten müssen in den kommenden Wochen leicht reduziert werden. Die genaue Ursache für die Probleme mit dem Brunnen konnten noch nicht geklärt werden. Es handelt sich vermutlich um eine geologische Ursache. Mehrere Experten arbeiteten bereits daran, so die Betreiber Felix Franke und Lisa Fischer. Über die Öffnungszeiten hinaus gebe es beim Wasserverbrauch keinerlei Einschränkungen für die Gäste ihres Hauses.

Links

Waldhotel-Elfbuchen.de
Facebookseite

** geschrieben und zusammengestellt von Per Busch **