Harleshäuser Waldgeschichten

Auf den Spuren der Gebrüder Grimm: Geschichten sammeln in heutiger Zeit

Was könnte Menschen an diesem Wald interessieren?

Geschichte und Geschichtchen, Kindheitserinnerungen und Anekdoten von Leuten aus der Gegend, Försterwissen, Flurnamen, Orte von lokaler Bedeutung, Kriegsgeschehnisse, historische Kriminalfälle, Anekdoten mit Prominenten, frühere und heutige Besitzverhältnisse, Lost Places, Geocaches, Streitfälle, Klatsch & Tratsch. Was hat hier mal jemand gefunden oder ausgebuddelt? Was ist hier um uns herum mal passiert? …

Beim Waldgeschichten-Projekt geht es darum, solch sehr lokales Wissen zu sammeln, aufzubereiten, zu vermitteln, digital verfügbar zu machen und so für die Zukunft zu überliefern. Später könnte man die gesammelten Geschichten, Erkenntnisse und alte Fotos auch mit ihrer geographischen Position verknüpft im Web oder einer App zugänglich machen. Dann könnte man leicht nachgucken, was dort, wo man sich gerade befindet, früher einmal passiert ist und wie es dort einst aussah.

Warum sind Geschichten und lokales Wissen wichtig?

Menschen verbinden Orte in ihrer Erinnerung neben Bildern und individuellen Erlebnissen auch mit Namen und Geschichten, die sie gehört oder gelesen haben.

Wald ist öffentlicher Raum und hat eine soziale Funktion. Er dient der Erholung und ist ein Ort der Kommunikation. Dort begegnen sich verschiedenste Menschen und interagieren miteinander. Sie reden über alles mögliche. Manchmal geht es dabei auch um lokale Geschichten. Das können Anekdoten, Historisches oder anderes Wissenswertes über die Umgebung sein. Was ist wo einmal passiert? Solche Geschichtchen beleben die Phantasie, vermitteln Informationen und machen Orte individuell.

Menschen mögen Geschichten. Diese tragen auch dazu bei, sich mit der lokalen Natur, der Nachbarschaft, den örtlichen Gemeinschaften, dem Stadtteil, dem Kiez, der Region, der Heimat zu identifizieren und sich verbunden und verwurzelt zu fühlen. Interesse an lokaler Geschichte und Geschichten verbindet Einheimische und Zugezogene. Den einen ist es wichtig, altes Wissen zu erhalten und zu vermitteln, den anderen hilft es dabei, sich mit der neuen Nachbarschaft vertraut zu machen. Daraus kann sich auch ein Wir-Gefühl entwickeln.

Unsere Welt ist aufgrund der Informationsflut so komplex geworden, dass wir uns mit unserer direkten Umgebung immer weniger beschäftigen. Früher wurden lokale Anekdoten über lange Zeit hinweg immer wieder weitererzählt, weil es oft nichts anderes gab, über das man mit den Leuten in der Nachbarschaft hätte reden können. Solche Örtlichen Geschichten werden meist nur mündlich überliefert und geraten heutzutage daher leicht in Vergessenheit. Bald sind die letzten gestorben, die sich noch daran erinnern. Wir sollten uns bemühen, solch sehr spezielles lokales Wissen für die Zukunft und kommende Generationen zu erhalten. Stichwort Erinnerungsarbeit.

Bei lokalen Anekdoten geht es vor allem um gute Geschichten mit einem wahren Kern, die irgendwo in der Umgebung spielen. Solche Erzählungen sind auch dann spannend, wenn sie vielleicht gar nicht ganz wahr sind. Vielleicht werden sie sogar zu den lokalen Sagen, Märchen und Mythen der Zukunft. Die Wahrheit von Überlieferungen kann meist sowieso nicht mehr überprüft werden. Darauf kommt es aber auch garnicht an.

Bisherige Aktivitäten

  • Im Sommersemester 2019 gab es an der Uni Kassel im SchlüsSL-Seminar ein von mir initiiertes Projekt, in dem sich 3 Studenten mit der Sammlung und Aufbereitung von Harleshäuser Waldgeschichten beschäftigten. Ende Juni wurden die gesammelten Geschichten und Erkenntnisse bei einem geführten Spaziergang an interessierte Teilnehmer vermittelt und von diesen ergänzt. Ich habe vor, künftig auch weitere kostenlose Spaziergänge zu verschiedenen Themen wie Historischem, Wildschweinen und anderem Waldwissen anzubieten.
  • 2019 begann ich mit der Arbeit an Harleswald.de als Plattform für meine Waldprojektinitiative und um recherchiertes Wissen veröffentlichen zu können.
  • 2019 ließ ich die Chronik „Geschichtliches von Harleshausen“ digitalisieren und machte sie danach auf Harleswald.de öffentlich zugänglich, weil es in dieser Publikation von 1941 auch oft um den Harleshäuser Wald geht.
  • Im Februar 2020 beendete ich die Digitalisierung der Harleshäuser Stadtteilzeitschrift D’r Osse. Alle 225 Ausgaben der seit 1962 vom Bürgerverein publizierten Hefte wurden von mir eingescannt und computerlesbar/durchsuchbar gemacht, jedoch noch nicht veröffentlicht. Eine unfangreiche Liste aller Texte rund um den Kasseler Habichtswald befindet sich hier
  • Im September 2020 wurde ich in den Vorstand des Bürgervereins Kassel-Harleshausen gewählt, zuständig für Internet-Angelegenheiten. Momentan arbeite ich an der Entstehung von Harleshausen.de, einer Stadtteil-Website.

Das vorbildliche Projekt „Erinnerungen im Netz“ aus dem Kasseler Osten zeigt, wieviel Interessantes man über eine Nachbarschaft zusammentragen kann. Ich würde gerne mithelfen, etwas Ähnliches für den Harleshäuser Habichtswald, ganz Harleshausen oder sogar den ganzen Kasseler Nordwesten zu erschaffen. Dafür suche ich Menschen, die etwas Interessantes über unseren Wald wissen oder die alte Fotos, Dokumente, Aufzeichnungen oder ähnliches zur Verfügung stellen könnten. Wer Lust hat, sich mit mir zusammen in diesem Projekt zu engagieren, ist herzlich willkommen!

Im Gegensatz zu Gedrucktem sind digitale Texte übrigens auch für sehbehinderte und blinde Menschen barrierefrei lesbar und Menschen mit ungenügenden Deutschkenntnissen können sich Inhalte auf Webseiten mittels verschiedener Dienste einfach übersetzen lassen.

Zugehörige Projektideen

Waldgeschichten in der Schule

Eine weitere Möglichkeit wäre ein Projekt in Zusammenarbeit mit örtlichen Schulen. Motto: „Kinder befragen ihre Großeltern über Kindheitserinnerungen an schöne und beeindruckende Walderlebnisse. Aus sowas könnte man vielleicht sogar einen kleinen Wettbewerb machen. Die Preise dafür würde ich gerne stiften. Sollten keine eigenen Großeltern zur Verfügung stehen, lassen sich bestimmt auch leicht andere ältere Menschen finden, die gerne von ihren Erinnerungen berichten würden. So ein generationsübergreifendes Projekt könnte bei einigen Jüngeren vielleicht Interesse an Wald wecken. Älteren gäbe es eine Möglichkeit, in schönen Erinnerungen zu schwelgen.

Namenswettbewerb

Für Wegbeschreibungen, die Benennung von Treffpunkten und die Verortung von Schauplätzen historischer Gegebenheiten oder privater Anekdoten ist es notwendig, dass Wege und besondere Orte eigene Namen haben. Namen schaffen Identität. Sie sind hilfreich für die Orientierung und auch bei der Meldung von Notfällen.

Mittels eines öffentlichen „Namenswettbewerbs“ könnte man neue Namen finden und alte Flurnamen wiederentdecken. Aus den eingereichten Vorschlägen ergibt sich eventuell sogar neues lokales Wissen. Namensvorschläge mit konkretem Bezug zur Gegend sollten bevorzugt werden. Die Ergebnisse eines solchen Wettbewerbs könnten, soweit möglich, auch in die Datenbanken der großen Kartendatenanbieter eingepflegt werden. Neue oder alte, jetzt fast schon in Vergessenheit geratene Namen für Wege und besondere Orte in der Natur könnten dann wahrscheinlich jahrhundertelang erhalten bleiben und so dabei mithelfen, lokale Geschichte zu überliefern.

Hinweise auf gute Geschichten

Was gibt es alles im Harleshäuser Wald? Welche Geschichten verbergen sich dahinter? Einige Beispiele:
Eine Künstlernekropole, zwei uralte Hügelgräber, Ein komplett aus Basaltbruchsteinen erbautes Haus, ein Luftbad mit 16 Hütten, ein ehemaliger Sprengstofflagerbunker von Dynamit Nobel, ein verschlossener Zugang zu einer unterirdischen Schmiede der Zwerge, ein zum Unesco Weltkulturerbe gehörender Graben, eine alte Skipiste mit Sprungschanze, ein verborgener Kommandobunker mit vielen Bombentrichtern drumherum, Bombensplitter in Bäumen, Überreste von Flakstellungen und Schützengräben, gefundene und ungefundene Blindgänger, alte Hohlwege und Treidelpfade, Bergwerkstollen, Tagebaurelikte, ein aus Wilhelmshöhe stammender Hühnerstall, ein roter Pfahl, zahlreiche Geheimisse und natürlich auch viele Geschichten, beispielsweise über einen sehr speziellen Sprengstofftransportfahrer, das Grab von Harry Kramer, gefährliche Bankräuber, die mit Naturmaterialien gebaute Hütte eines Wohnungslosen, einen Dackel im Dachsbau, menschliche Überreste, die Kaiserlichen Reitwege und die Stelle, an der unser Kaiser vom Pferd fiel.

Mögliche Quellen

Alle Menschen,die etwas Interessantes wissen. Auch im Stadtarchiv, Stadtmuseum und in alten Ausgaben der Stadtteilzeitschrift „D’r Osse“ und der HNA lassen sich spannende Hinweise und Informationen recherchieren. Über weitere Ideen freue ich mich.