Harleshäuser Waldprojektinitiative

Besuchererlebnis, Sicherheit und Barrierefreiheit

Seit vielen Jahren bin ich täglich in diesem schönen Wald unterwegs und merke dabei immer, wie gut mir das tut. Irgendwann fing ich an, mich zu wundern, wie wenig andere Menschen diese tolle Möglichkeit nutzen. Ich fragte mich, warum das so ist, wie man das ändern könnte und was man dafür bräuchte.

Ich sprach mit vielen Leuten darüber, was sie davon abhält, in den Wald zu gehen. Einer der meistgenannten Gründe ist das Gefühl, dort alleine nicht sicher zu sein. Andere Gründe sind mangelnde Barrierefreiheit und Attraktivität, zumindestens für bestimmte Personengruppen. Auf dieser Seite habe ich daher Ideen gesammelt, was man machen könnte, um das Sicherheitsgefühl, die Barrierefreiheit und das allgemeine Besuchererlebnis im Wald zu verbessern. Die Waldprojektinitiative dient dem Versuch, einige dieser Ideen in die Tat umzusetzen. Als erstes wurde das „Waldgeschichten-Projekt“ lebendig.

Ziel des Gesamtprojekts ist, den nordwestlichen Kasseler Habichtswald attraktiver zu machen. Menschen sollen motiviert werden, in den Wald zu gehen, um sich mehr zu bewegen und von den gesundheitlichen und sozialen Vorteilen eines Waldaufenthalts zu profitieren. Wer in den Wald geht, tut etwas für Körper und Geist und hat ein geringeres Risiko, zu vereinsamen. Wald tut gut! Man muss übrigens nicht extra waldbaden gehen, ganz normal geht auch. :-) Wer vergessen hat, wie schön es im Wald ist, kann sich auf der Startseite inspirieren lassen.

Ich liebe die Natur und wünsche mir, dass mehr Menschen von den Vorteilen eines Aufenthalts im Wald profitieren können. Ich suche Interessierte, die sich mit mir zusammen für eines oder mehrere der vorgestellten Projekte engagieren, mich diesbezüglich beraten oder anderweitig unterstützen möchten.
Per Busch

Updates:

  • Der Bürgerverein Harleshausen unterstützt das Projekt aktiv.
  • Im Sommersemester 2019 gab es an der Uni Kassel im SchlüsSL-Seminar ein Projekt, in dem sich 3 Studenten mit der Sammlung und Aufbereitung von Harleshäuser Waldgeschichten beschäftigt haben. Ende Juni wurden die gefundenen Geschichten und Erkenntnisse bei einem geführten Spaziergang an interessierte Teilnehmer vermittelt, von diesen ergänzt und teilweise auch bereits auf dieser Website veröffentlicht.
  • Seit Juli 2019 berichte ich in diesem Mikroblog bei Twitter über die Schönheit und Vielfalt des Waldes im allgemeinen, Tiere, Bäume, Erholung, Gesundheit, Forstpraxis, Naturschutz, Wissenschaft, Waldpädagogik und sinnliches Erleben. Das Ziel ist, Wald attraktiver zu machen. Je mehr Menschen den Wald lieben, umso mehr setzen sich für ihn ein. 🌳☯️🌳
  • Seit Anfang August kann man für die Waldprojektinitiative bei einem Ideenwettbewerb auf der neuen Bürgerbeteiligungsplattform der Stadt Kassel abstimmen. „Hier können Projekte und Ideen Karriere machen“: www.weckdenherkulesindir.de

Zehn Projektideen

Im Folgenden geht es um den Blindenpfad, eine mögliche Ehrung für Claus Eichel, Barrierefreiheit, Sitzgelegenheiten, Sicherheit, einen Spaziergehtreff, einen Rikschaservice, Funklöcher, lokale Geschichte und Geschichtchen, geführte Spaziergänge, ein Schulprojekt, Flurnamen, einen Wettbewerb und einiges mehr. Welche der Projekte lebendig werden, hängt davon ab, ob sich jemand dafür engagieren möchte.

Projektideen: Reparatur des Blindenpfadgeländers & Ehrung von Claus Eichel

Blinde Menschen können auf diesem zwei Kilometer langen Rundweg spazieren gehen, in dem sie ihren Blindenstock über das Holzgeländer gleiten lassen. Auf diese Weise können sie dem Weg sicher und entspannt folgen und alleine und unabhängig die Waldatmosphäre genießen. Das Geländer ist aber auch für Menschen mit Sehbehinderung, geschwächter Konstitution, beginnender Demenz und anderen Orientierungsschwierigkeiten hilfreich. Seit 2017 befindet sich der Blindenweg in einem traurigen Zustand. Das Geländer wurde teilweise systematisch zerstört. Holzpfosten wurden abgebrochen oder herausgezogen und die daran befestigten Holzstangen zerbrochen.

Nachdem ich 1993 erblindete, war mein größter Traum, mich wieder alleine und unabhängig in der Natur bewegen zu können. Wenn ich nicht seit 2001 täglich mit Hilfe des Geländers durch den Wald gegangen wäre, hätte ich diesen Wunsch vielleicht einfach vergessen. So aber wuchs meine Liebe für den Wald und die langen Spaziergänge darin beständig. 2011 wurde mein Traum dann wahr. Das hat meine Lebensqualität enorm verbessert!

Heutzutage wandere ich täglich durch den ganzen Wald und kenne dort inzwischen fast alle Wege und Pfade, mindestens 30 Kilometer insgesamt, und kann mich gut mit dem Blindenstock und einer App auf meinem iPhone orientieren. Mehr dazu. Für mich war der Blindenweg das Tor zum ganzen Wald. Diese Chance sollten auch andere blinde und sehbehinderte Menschen haben. Dafür müsste das Geländer aber vollständig instandgesetzt werden.

Der Blinden-Waldwanderpfad wurde 1974 vom damaligen Leiter des Forstamts Kassel-Wilhelmshöhe, dem 2016 verstorbenen Claus Eichel, Bruder des Politikers Hans Eichel, initiiert. Claus Eichel engagierte sich später auch bundesweit für barrierefreie Wanderwege. Unter anderem dafür wurde ihm 1998 das Bundesverdienstkreuz verliehen. 2017 wurde einer seiner barrierefreiern Wanderwege in Thüringen nach ihm benannt. Eigentlich müsste man ihn auch in Kassel ehren, beispielsweise indem man dem Blindenpfad nach ihm benennt. Schließlich war dieser Pfad Claus Eichels allererster Wanderweg für behinderte Menschen und der Erste seiner Art in ganz Deutschland überhaupt.
Mehr über den Blindenpfad

Projektidee: Verbesserung der allgemeinen Barrierefreiheit

Die gute Nachricht zuerst. Der Harleshäuser Habichtswald ist bereits ziemlich blindenfreundlich und barrierefrei. :-)

Eine relativ einfache Möglichkeit, die Barrierefreiheit im Wald zu verbessern ist, die Oberflächenbeschaffenheit der Waldwege zu optimieren. Im Harleshäuser Habichtswald gibt es beispielsweise einige schmale Pfade, bei denen vor vielen Jahrzehnten offenbar mal etwas Schotter aufgebracht wurde und deren Benutzbarkeit davon auch heute noch profitiert. Das Resultat ist nachhaltig. Mit dem Blindenstock kann man diese festgetretenen Pfade wegen den vielen immer noch in der Erde steckenden Steinchen oft gut ertasten. Auf der festen Oberfläche bleibt auch kein Laub liegen, weil es vom Wind nach einiger Zeit immer auf den umgebenden Waldboden bewegt wird. Auch die Überwucherung durch Pflanzen wird verhindert.

Wenn die festere Wegoberfläche breit genug ist, können sich darauf auch Menschen im Rollstuhl oder mit anderen Mobilitätshilfen gut bewegen. Heutzutage gibt es davon viele mit Elektro-Antrieb, so dass Steigungen kein Problem mehr darstellen, sehr matschige oder unebene Stellen aber schon. Solche Hindernisse sind auch für Menschen mit Kinderwagen oder unsicherem Gang problematisch. Das gilt auch für ungeübte oder zu schnelle Fahrradfahrer.

Konkrete Stellen zeige ich gerne bei einer gemeinsamen Begehung. Mehr über Barrierefreiheit im Wald gibt es bei Waldwissen.Net. Zum Thema Barrierefreiheit in der Natur gehört auch meine Initiative für taktile Karten aus dem 3D-Drucker und diese Linksammlung.

Projektideen: Sitzgelegenheiten & Sackgassenpfade – Verweilen im Wald

Für die meisten Menschen ist der Aufenthalt im Wald gleichbedeutend mit Bewegung. Dabei kann man im Wald auch wunderbar nichts tun und nur die Atmosphäre genießen. Dafür braucht man Sitzgelegenheiten wie Bänke, Baumstämme oder große Steine. Diese machen den Wald auch für gesundheitlich beeinträchtigte und ältere Menschen barrierefreier. Auch Einzelsitzplätze und Liegemöglichkeiten sind möglich.

Neue Sitzgelegenheiten könnte man mit Patenschaften finanzieren. Denkbar wären Teil- oder Vollsponsoring, private und gewerbliche Stifter, frei wählbare Aufstellorte und selbstentworfene, dezente, zum Waldambiente passende Inschriften als Anreiz. Die Sitzplätze sollten nachhaltig, also möglichst lange benutzbar sein. Verrottete Bänke sollten gereinigt, überarbeitet oder komplett erneuert werden.
Siehe auch: Der möblierte Wald (Waldwissen.net)

Es ist schade, dass Bänke im Wald bislang immer nur direkt an Durchgangswegen stehen. Sitzgelegenheiten am Ende Kurzer Sackgassenpfade würden mehr Privatsphäre ermöglichen und den Besuchern auch mal das Gefühl geben, ganz allein im Wald zu sein. „Waldbesitzer sein“ für kurze Zeit. :-).
Waldbesucher fühlen sich in ihrem Wohlbefinden nämlich oft durch die Anwesenheit anderer Menschen eingeschränkt. Mehr dazu bei Waldwissen.Net:
Wo sich Waldbesucher gerne aufhalten: Hotspots in stadtnahen Wäldern

Projektidee: Spaziergehtreffs

Viele Frauen und gesundheitlich beeinträchtigte Menschen sind nicht gern allein im Wald unterwegs. Sie haben ein besonderes Sicherheitsbedürfnis. Die realen und gefühlten Risiken sind „böse Menschen“, gesundheitliche Notfälle, Hunde, Wildschweine, vielleicht auch bald Wölfe, Angst vor dem Verirren, herunterfallende Äste, Blitzeinschlag und Funklöcher.

Organisierte Spaziergehtreffs für ängstliche bzw. vorsichtige Möchtegern-Waldspaziergänger, ähnlich wie die Lauftreffs der Jogger, könnten dabei helfen, das Sicherheitsgefühl dieser Menschen im Wald zu erhöhen und die reale Sicherheit zu verbessern. Solche gemeinschaftlichen Spaziergänge könnte man beispielsweise mittels Facebook, Nebenan.De oder WhatsAppGruppen organisieren. Denkbar wären auch regelmäßige wöchentliche Termine, für die keine Verabredungen nötig sind.

Projektidee: Fahrservice

Viele Menschen waren früher gern im Wald, aber aufgrund körperlicher Einschränkungen kommen sie dort inzwischen nicht mehr hin. Man könnte Interessierte aus dem Kasseler Nordwesten mit einem Elektro-Dreirad oder einer Elektro-Rikscha zuhause abholen und mit ihnen dann sehr langsam durch den Habichtswald fahren. An besonders schönen Stellen würde man anhalten. Dort könnten die Besucher dann in Ruhe die friedliche, belebende Waldatmosphäre genießen und eventuell sogar mal ein kurzes Stück spazierengehen. Das ideale Gefährt sollte neben dem Fahrer zwei weitere Personen befördern können und einen möglichen Wetterschutz für die Passagiere bieten. Ab in den Wald. Wer nicht gehen kann, wird gefahren. :-)
Siehe auch: Warum ein Waldaufenthalt gesund ist und gut tut

Projektidee: Engagement für die Beseitigung von Funklöchern

In einigen Teilen des Harleshäuser Waldes ist der Mobilfunkempfang nur schlecht oder gar nicht möglich. Das ist in anderen Wäldern zwar oft auch so, aber der Kasseler Stadtwald ist ein beliebtes Naherholungsgebiet am Rand einer Großstadt. Dort sollte es überall Mobilfunkempfang geben. Funklöcher sind ein Sicherheitsrisiko, da man bei Notfällen keine Hilfe herbeirufen kann.

Projektideen: „Harleshäuser Waldspaziergänge“ – Geschichte & Geschichtchen

Menschen verknüpfen Orte in ihrer Erinnerung neben Bildern und individuellen Erlebnissen auch mit Namen und Geschichten, die sie gehört oder gelesen haben. In Bezug auf „meinem Wald“ interessiere ich mich beispielsweise für lokale Geschichte und Geschichtchen, Kindheitserinnerungen und Anekdoten von Leuten aus der Gegend, Försterwissen, Revierwissen von Jägern, Orte von lokaler Bedeutung, Flurnamen, Kriegsgeschehnisse, historische Kriminalfälle, Anekdoten mit Prominenten, frühere und heutige Besitzverhältnisse, Lost Places, Geocaches, Streitfälle, Konflikte, Klatsch und Tratsch. Was hat hier mal jemand gefunden oder ausgebuddelt? Was ist hier um uns herum mal passiert?

Geschichten beleben die Phantasie, vermitteln Informationen und machen Orte individuell. Interesse an lokaler Geschichte und Geschichten verbindet Einheimische und Zugezogene. Den einen ist es wichtig, altes Wissen zu erhalten und zu vermitteln, den anderen hilft es dabei, sich mit der neuen Nachbarschaft vertraut zu machen und sich mit ihr zu identifizieren. Daraus kann sich auch ein Wir-Gefühl entwickeln.

Harleshäuser Waldgeschichten: Im diesem bereits existierenden Projekt wird lokales Wissen gesammelt, aufbereitet, vermittelt, digital zugänglich gemacht und so für die Zukunft überliefert. an der Uni Kassel gab es dazu im letzten Semester ein Projekt im SchlüsSL-Seminar, in dem 3 Studenten genau das gemacht haben. Ende Juni 2019 wurden die gesammelten Geschichten und Erkenntnisse bei einem geführten Spaziergang an interessierte Teilnehmer vermittelt, von diesen ergänzt und teilweise auch bereits auf Harleswald.De veröffentlicht. Künftig sollen ähnliche kostenlose Spaziergänge zu verschiedenen Themen angeboten werden.

Es werden Menschen gesucht, die etwas Interessantes über den Harleshäuser Habichtswald wissen oder die alte Fotos, Dokumente, Aufzeichnungen oder ähnliches zur Verfügung stellen oder einscannen könnten. Wer Lust hat, sich im diesem Projekt zu engagieren, ist herzlich willkommen! Auch der Bürgerverein Harleshausen unterstützt das Projekt aktiv.
Mehr über das Waldgeschichten-Projekt

Projektidee: Waldgeschichten in der Schule

Eine weitere Möglichkeit wäre ein Projekt in Zusammenarbeit mit örtlichen Schulen. Motto: „Kinder befragen ihre Großeltern über Kindheitserinnerungen an schöne und beeindruckende Walderlebnisse. Aus sowas könnte man vielleicht sogar einen kleinen Wettbewerb machen. Die Preise dafür würde ich gerne stiften. Sollten keine eigenen Großeltern zur Verfügung stehen, lassen sich bestimmt auch leicht andere ältere Menschen finden, die gerne von ihren Erinnerungen berichten. So ein generationsübergreifendes Projekt könnte bei einigen Jüngeren vielleicht Interesse am Wald wecken. Die Älteren würde es motivieren, mal wieder in schönen Erinnerungen zu schwelgen.

Projektidee: Namenswettbewerb

Für Wegbeschreibungen, die Benennung von Treffpunkten und die Verortung von Schauplätzen historischer Gegebenheiten oder privater Anekdoten ist es notwendig, dass Wege und besondere Orte eigene Namen haben. Namen schaffen Identität. Sie sind hilfreich für die Orientierung und auch bei der Meldung von Notfällen.

Mittels eines öffentlichen „Namenswettbewerbs“ könnte man neue Namen finden und alte Flurnamen wiederentdecken. Aus den eingereichten Vorschlägen ergibt sich eventuell sogar neues lokales Wissen. Namensvorschläge mit konkretem Bezug zur Gegend sollten bevorzugt werden. Die Ergebnisse eines solchen Wettbewerbs könnten, soweit möglich, auch in die Datenbanken der großen Kartendatenanbieter eingepflegt werden. Neue oder alte, jetzt fast schon in Vergessenheit geratene Namen für Wege und besondere Orte in der Natur könnten dann wahrscheinlich jahrhundertelang erhalten bleiben und so dabei mithelfen, lokale Geschichte zu überliefern.

Solch einen Wettbewerb könnte man beispielsweise über die HNA, den HR, die Harleshäuser Stadtteilzeitschrift und Gruppen bei Facebook, Nebenan.De, WhatsApp oder anderen lokalen Netzwerken bekannt machen. Das wäre vielleicht auch eine gute Möglichkeit für die Öffentlichkeitsarbeit oder ein Engagement von Hessen Forst, dem Forstamt Wolfhagen, der Stadt Kassel, dem Zweckverband Naturpark Habichtswald, dem Bürgerverein und Ortsbeirat in Harleshausen, der örtlichen Jagd- und Hegegemeinschaft, anderen lokalen Vereinen und Gruppen, …

Kontakt

Ich suche Menschen, die sich mit mir zusammen für eines oder mehrere der vorgestellten Projekte engagieren, mich diesbezüglich beraten oder anderweitig unterstützen möchten. Ich freue mich über Nachrichten, Feedback, Kritik, Verbesserungsvorschläge und neue Ideen. :-)
— Per Busch (über mich)

Wer mich kontaktieren möchte, kann dies via Facebook, Twitter, reisender @online Punkt de oder das folgende Kontaktformular tun.