Zeilingers Mosthof

Der Mosthof war ein beliebtes Ausflugsziel. Er befand sich im Wald in der Nähe des Blauen Sees, zwischen den Teichen von Wilhelm Führer an der Alten Wolfhager Straße und dem aus Bruchsteinen erbauten Steigerhaus.

Mosthof im Hintergrund, davor einige bestuhlte Tische, rechts älteres Ehepaarkleine, zweistöckige Holzhütte, teilweise von umstehenden Bäumen verdeckt, davor eine Wiese und ein bestuhlter Tisch

Erinnerungen von Facebook-Nutzern

Werner: Hat hier im Forum jemand ein Bild vom Mosthof Zeilinger. Dann bitte hier posten. Zeilinger war ein Naturheilkundiger und hatte am Blauen See den Mosthof. Hier konnte man als Wanderer einkehren und für kleines Geld seine selbstgemachten Kräuterbrote und Most geniesen.
Sigrid: Ja, dass war dort wunderschön und hat supi geschmeckt.
Klaus: da gabs lecker Apfelsaft…
Gisela: Und ein schönes Karussell.
Holger: Und der Zeilinger hat uns die Waschbären nach Kassel gebracht.
Heike: Vielen Dank für die schönen Fotos! Ich war als Kind gerne mit meinen Freundinnen dort. Ich hatte vergessen, wie schön es dort war.
Gisela: Bei dem Mosthof war ich oft mit meinen Großeltern, sie wohnten in der Eisenbahnersiedlung und wir sind bis dahin gelaufen.
Heidi: Das waren schöne Zeiten…das Kräuterbrot und die Säfte…einmalig.
Petra: Frisches Brot mit Radieschen und Maggi. lecker
Renate: Hab mir wieder Liebstock im Blumentopf gesäät. Das gibt dann leckere Mosthofbrote.
Sigrid: Ich bin begeistert ☺☺☺
Angelika: Ach, war das schön damals. Das Bächlein und die Kneippanwendungen, der Most, die Brote, der Wald – und überhaupt. Sowas gibt es nicht mehr.
Hanni: Ich war ab 1965 mit Renates Tochter befreundet und dort öfters zu Besuch. Dass waren ganz liebe Leute.

25 Jahre Süßmosthof im Habichtswald am Blauen See

Von Karl Bippig, veröffentlicht im Ossen, Heft 41, 1/1974, Seiten 18 bis 21

Am 23. April 1973 feierte der Mosthof sein 25-jähriges Bestehen. Gleichzeitig wurde Herr Zeilinger an diesem Tage 65 Jahre alt. 1936 als Flugzeugtechniker nach den Fieseler-Werken gekommen, fand er sich mit seiner Familie In Kassel schnell zurecht und wurde bald als überzeugter Naturanhänger und Verfechter einer gesunden Lebensweise durch Gesundheitsvorträge in seiner Firma bekannt. Heilkräuter- und Pilzlehrwanderungen schlossen sich an.

Er war der erste Mann, der in den Großküchen das Essen vor dem Anrichten durch Zuschütten von frisch gepreßtem Wildpflanzensaft aufvitaminisierte — eine Angelegenheit, die heute nach bald 40 Jahren noch genauso aktuell und notwendig wäre. Schon damals hatte er die Idee, ein firmeneigenes Gesundheitsgelände zu schaffen, auf dem In Kurzkuren erschöpfte Arbeiter und Angestellte ohne große Vorbereitung bei naturgemäßer Lebensweise in herrlicher Umgebung sich erholen sollten. Der Kriegsverlauf ließ dies leider nicht mehr zu, doch war die Idee geboren, die seitdem Herrn Zeilinger nicht mehr losließ.

Aus dem Krieg zurückgekehrt, war für Herrn Zeilinger zunächst — der Not gehorchend — eine andere Aufgabe wichtiger. So entstand mit Unterstützung der hohen Forstbehörde, des Ernährungsamtes, des Oberbürgermeisters Seidel und guter Freunde eine Heilpflanzen- und Wildfrüchteverwertung. Bald wurden 7 Leute beschäftigt, um tausend Flaschen Brennessel-, Huflattich- und Möhrensaft pro Woche zu erzeugen. So konnte wenigstens der Bedarf für Kleinkinder gedeckt werden.

Später wurden roter und schwarzer Holunder, Sdilehen und Hagebutten verarbeitet, und ganz natürlich kam dann noch eine Zuckerrüben- und Obstverwertung hinzu. Tausend Zentner Zuckerrüben wurden jährlich zu Sirup und circa 32000 Flaschen Most mit selbstgebauten Maschinen und Einrichtungen hergestellt. Während einer Wildfruchtsammelaktion wurde von Zeilingers kleinstem hessischen Betrieb die größte Wildfruchtmenge (1300 Zentner!) in sieben Wochen erfaßt.

Am 23. April 1948 war der eigentliche Geburtstag des Mosthofes. An diesem Tage wurde den Gratulanten zum erstenmal Obstsaft frei ausgeschenkt. Schnell wurden Bänke und Tische aus rohem Holz gezimmert, Most ausgeschenkt und Kaffee aufgegossen. Bald besuchten sonntags Hunderte von Gästen den Mosthof! Vereine, kirchliche Gemeinden zum Gottesdienst, Jugendgruppen, Schulklassen und ausländische Zirkel fanden sich ein.

..Mosttrinken — „Kaffee aufgießen“ — „Ausruhen“ — ohne großen geldlichen Aufwand — so war es, und so ist es geblieben bis auf den heutigen Tag. 25 Jahre treue Hingabe zeichnen Herrn und Frau Zeilinger an ihren Mosthof aus; vom 1. Mai bis Ende September kennen sie jahrein, jahraus keinen freien Tag und stehen immer im Dienst am Nächsten. In nebenberuflicher Arbeit wurden jährlich noch ein gutes Dutzend Vorträge oder Heilpflanzlehrwanderungen für Hausfrauen- und Landfrauenvereine, Gesundheits- und Gartenbauvereine gehalten.

Wer die Stille liebt, das Natürliche, der findet heute mehr denn je dort oben im Mosthof in reiner Luft, bei Wassertreten, Armbädern. Spielen und Ausruhen auf der großen Liegewiese (Waldwiese) beste Erholung. Der Wanderer findet mitten im Wald einen alkoholfreien Ausflugsort, der seinesgleichen sucht und auf den die Bewohner Kassels eigentlich stolz sein müßten. An jeder Autobahn müßten solche Plätze entstehen und den Autofahrern naturgemäße Erholung spenden.

Dem Ehepaar Zeilinger wurden 5 Kinder geschenkt, von denen 4 in Amerika leben und eines in Deutschland wohnt. Daß Herr Zeilinger noch ab und zu wilde Waschbären füttert, möge ihm als großem Naturfreund erlaubt und verziehen sein. Dem Ehepaar Zeilinger und dem Fortbestand des Mosthofes gelten alle guten Wünsche!